Aufbau eines sozialen Geschäftsmodells zur augenoptischen Grundversorgung in Burkina Faso

Der EinDollarBrille e.V. baut ein Netzwerk zur augenoptischen Grundversorgung in verschiedenen Entwicklungsländern auf. Mit Unterstützung der knodel foundation soll dieses Modell dauerhaft und finanziell unabhängig in Burkina Faso ausgerollt werden.

  • EinDollarBrille e.V.



  • Lokaler Projektträger

    Good Vision Glasses

  • Projektlaufzeit

    07/2015 - 12/2021

Laut einer Studie der WHO leiden rund 150 Millionen Menschen weltweit an einer Fehlsichtigkeit, die sich mit einer einfachen Sehhilfe beheben ließe, können sich aber eine solche nicht leisten. Die Auswirkungen auf das Leben der Menschen sind vielschichtig und einschneidend. Burkina Faso hat rund 20 Millionen Einwohner, und davon sind nach einschlägigen WHO-Statistiken etwa ein Fünftel fehlsichtig. Das heißt: Etwa vier Millionen benötigen eigentlich eine Sehhilfe. Doch in ganz Burkina Faso gibt es nur 25 Augenärzte sowie etwa 150 Schwestern oder Pfleger mit einer Zusatzausbildung in Augenheilkunde.

Das Social-Business-Modell von EinDollarBrille basiert auf vier Komponenten: Einer einfach herstellbaren, gleichzeitig hochwertigen, langlebigen und robusten Brille, die auch für arme Menschen erschwinglich ist. Einem Ausbildungskonzept, mit dem lokale Fachkräfte ausgebildet werden, um beispielsweise einen Sehtest durchführen und die Brille anpassen zu können. Der Schaffung von Arbeitsplätzen aus dem Verkaufserlös der Brillen. Und schließlich der Integration marginalisierter Gruppen, beispielsweise Menschen mit Behinderungen, in diesen Prozess.

Projekt

EinDollarBrille e.V. ist seit 2014 in Burkina Faso aktiv, bis 2017 hatten bereits über 30.000 Menschen eine EinDollarBrille gekauft. Ihre Herstellungskosten liegen niedrig, daher kann sie bereits für zwei bis drei ortsübliche Tageslöhne angeboten werden. Sie wird auf einer einfachen Biegemaschine hergestellt, die keinen Strom benötigt und daher auch in ländlichen Regionen eingesetzt werden kann. Ihre neueste Version ist so gestaltet, dass sie sogar von Blinden bedient werden kann.

Ziel des Projekts ist, im Land bis 2022 ein soziales Geschäftsmodell mit 55 Brillenzentren aufzubauen, das mindestens 40 Prozent der Bevölkerung Zugang zur augenoptischen Grundversorgung ermöglicht und sich aus den Verkaufserlösen selbst finanziert.

Der gezielte Aufbau von OneDollarGlasses Burkina Faso begann 2015. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wurde eine Kombination von mobilen Verkaufsteams, z.B. in Schulen oder auf Marktplätzen und Brillenzentren als stationäre Verkaufsstellen eingeführt. Das heisst: Es werden dort funktionierende Strukturen zur Versorgung mit Brillen aufgebaut. Herstellung und Verkauf der Brillen finden in erreichbarer Nähe der Patienten und vor allem regelmäßig statt. Alle laufenden Kosten werden durch den Verkaufspreis gedeckt.

Eine burkinische EinDollarBrille-Erfolgsstory:

Souleymane Singuiri ist der von allen respektierte Teamleiter in Burkina Faso – mittlerweile sogar Mitglied des neu installierten Management-Boards. Seit er als Kind an Polio erkrankte, kann er nur auf seinen Händen laufen. Trotz seiner  Abschlüsse in Architektur und Buchhaltung fand er nie eine bezahlte Stelle. Als er zu Good Vision Glasses – der Name, unter dem die EinDollarBrille in Burkina Faso verkauft wird –  kam, war er schon fast am Leben verzweifelt.

Durch seine Arbeit hat er neuen Lebensmut gewonnen, sagt Souleymane. Stolz macht ihn, dass er jetzt selbst anderen helfen kann. Er und seine 40 Teammitglieder können inzwischen vom Verkauf der Brille leben. Durch seine Festanstellung und sein gesichertes Einkommen, konnte er nicht nur eine Familie gründen und ist seit letztem Jahr stolzer Vater einer Tochter, sondern er konnte sich auch einen weiteren Lebenstraum erfüllen – ein motorisiertes Dreirad mit dem er den täglichen Arbeitsweg mit dem Handrad durch Hitze, Staub und Verkehrsgewühl von rund 1,5 Stunden signifikant verkürzen konnte.

 

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